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Auf den Spuren Napoleons

Auf den Spuren Napoleons

Über den Erzgebirgskamm
– 203 Jahre nach Napoleon –

 

Mit der Seniorenakademie Dresden auf Tour zu Denkmalen in Böhmen, die an die Schlacht bei Kulm im Napoleonischen Krieg 1813 erinnern.

Auf dem weiten Feld dösen Strohballen in der Sonne. Der Hafer auf dem Feld nebenan schaukelt trocken im leichten Wind. Baumreihen teilen die Ebene, an ihrem Ende zieht sich der steile Südhang des Erzgebirges hin. Das Laub der Bäume nimmt vorsichtig seine Herbstfarben an, der Himmel über den Wipfeln strahlt in leuchtendem Blau. Der 7. September 2016 ist ein sonniger, warmer, friedlicher Spätsommertag.

Ganz anders vor 203 Jahren. Fast auf den Tag genau, am 29. August 1813, tobte hier die Schlacht um Kulm. Das erfahren die Teilnehmer der Seniorenakademie Dresden „Auf den Spuren Napoleons“.  Sie stehen in Tschechien an der Straße 13 nahe der Ortschaft Kulm. Christian Girbig, ehrenamtlicher Denkmalpfleger und Hobbyhistoriker, nimmt die Gruppe mit in die Vergangenheit: Vor dem geistigen Auge der Teilnehmer finden erbitterte Gefechte russischer, preußischer und österreichischer Soldaten gegen Männer der Armee Napoleons statt. „Tagelanger Dauerregen, Kälte und Wind hatten das Feld in einen Sumpf verwandelt und die Soldaten zermürbt“, beschreibt Christin Girbig die Situation. In der größten Schlacht der Befreiungskriege in Böhmen bekriegen sich 50 000 Mann, 10 000 Soldaten fallen. Der Sieg, den die Verbündeten gegen das 1. Französische Armeekorps unter General Vandamme erfechten, hat einen hohen Preis.

Denkmale erinnern an die Soldaten, die Opfer, halten ihr Andenken in Ehren. Wie sie aussehen und welche Botschaften sie uns übermitteln, das soll die Entdeckertour im Böhmischen vermitteln. Also zurück zum Start und der Reihe nach: Los geht es auf einem Parkplatz oberhalb von Bad Gottleuba. Anhand von Karten erklärt der Exkursionsleiter die historische Situation. Die Schlacht von Dresden am 26./27. August 1813 war geschlagen, die Alliierten besiegt. Den Russen, Preußen und Österreichern blieben nur die von ihnen besetzten Erzgebirgspässe. Der östlichste führt von Berggießhübel über Nollendorf ins Teplitzer Becken. Diesem Rückzugsweg wird die Gruppe folgen. Aber was die Männer damals im Treck müde, hungrig, bei Sauwetter, mit schwerem Gepäck, Pferden und Kanonen im Tross marschieren mussten, nehmen die Teilnehmer im Auto bei strahlendem Sonnenschein in Angriff.

Auf guten Straßen geht es auf der Höhe entlang. Sie führt durch Wälder und Felder, die Gegend ist wenig besiedelt. Erst im Tschechischen ist mehr los, Händler bieten ihre Waren feil, Restaurants werben für Knödel, Gulasch oder auch Eisbein. Kein Halt.  Erste in Varvazov (Abresau) stoppt der Konvoi an der Gaststätte Stara Posta – Altes Posthaus. „In dieser Poststation lag der verwundete General Moreau auf seinem Weg nach Louny. Der Franzose im Dienst des Zaren starb wenige Tage später an seinen Verletzungen von Dresden am 27. August 1813“, sagt Christian Girbig. Wenn Moreau gewusst hätte, dass Vandamme, ein General seines Gegners Napoleon, als Gefangener an seiner Krankenstation vorbeigetrieben wurde, wäre es sicher für ihn eine Genugtuung gewesen.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite türmen sich schwarze Steinquader dem Himmel entgegen, gekrönt mit einem goldenen Ehrenkranz. Das Denkmal für die österreichischen Soldaten wurde 1825 auch zu Ehren von General Colloredo-Mansfeld erbaut, der im September einen erneuten Versuch französischer Truppen, über den Nollendorf Pass den Durchbruch nach Böhmen zu erzwingen, verhinderte. Ein goldener Löwe liegt ihm – seinem Reliefbildnis – zu Füßen.

Nur wenige Schritte neben der Alten Post erhebt sich eine Säule mit gusseiserner Haube und Eisernem Kreuz. Geschaffen hat das Denkmal für die Preußen Friedrich Schinkel, gestiftet wurde es von König Friedrich Wilhelm III, eingeweiht 1817. Es ist das erste und damit älteste Monument im Böhmischen.

Weiter geht die Fahrt zum nächsten Stopp: Zum 100. Jahrestag der Schlacht bei Kulm wurde am 29. August 1913 das Jubiläumsdenkmal mit Gedenkhalle eingeweiht. Das vom österreichischen Staat finanzierte Denkmal ist 26 Meter hoch. Auf einem Podest in einem Park steht der Steinturm festgemauert. Ein Löwe hält ganz oben Wache, blickt auf den Verkehr an der Staatsstraße 13.

Noch einmal einsteigen und weiterfahren auf dieser Straße bis zum eingangs beschriebenen Schlachtfeld. Hier steht auch das Denkmal für die gefallenen russischen Soldaten, das 1837 enthüllt wurde. Ein gusseisener Obelisk ruht auf einem Sockel und wird gekrönt mit der Statue der Siegesgöttin Nike. Sie wacht über den einstigen Kriegsschauplatz, der heute so friedlich in der Sonne liegt. Und sie zeigt den Weg zur Gedenkstätte für alle Gefallenen. Durch ein hölzernes Tor führt er zu einem steinernen Kreuz zu Ehren der hier Begrabenen – 10 000 Soldaten, 7 500 davon waren Russen.

Die Gruppe hält inne, wird nachdenklich. Etliche Kilometer liegen hinter ihr, gefahren auf Asphalt, bei Sonnenschein, ohne Gepäck, immer bergab, mitunter 12 % Gefälle. Kaum vorstellbar 1813: Mistwetter, schlechte Wege, Kanonen, die abgebremst werden mussten, Pferde, die sich vor Schwäche kaum noch auf den Hufen halten konnten, die Männer durchnässt, hungrig, müde, in vorangegangenen Schlachten abgekämpft – und bis Waterloo 1815 war es noch weit.

Gudrun Buhrig

In der Seniorenakademie Dresden, die offen für alle Altersgruppen ist, hat die Einschreibung für das Wintersemester 2016/2017 begonnen. Das Angebot umfasst über 400 Veranstaltungen unter anderem aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, regionaler und Weltgeschichte, Politik und Gesundheit.
Das Programm, Informationen zu den Einschreibungsmodalitäten und Kosten unter:
www.tu-dresden.de/senior

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