Richard-Wagner-Stätten Graupa – Mythos Schwan | Virtuelle Eröffnung der Sonderausstellung in den Wagnerstätten am 22. April

Schwanengesang, Schwanenkönig, Schwanenservice, Schwanensee – der „Mythos Schwan“ ist in unserer Kultur allgegenwärtig. Mit Graupa und den dort ansässigen Richard-Wagner-Stätten ist er besonders eng verbunden, weil Wagner in einem Graupaer Bauernhaus die Musik zu seiner Oper über den Schwanenritter Lohengrin skizzierte.

Ein Schwan bringt darin den geheimnisvollen Ritter aus unbekannter Ferne herbei und holt ihn auf ebenso mysteriöse Weise wieder ab. Der Zauber der Oper haftet wesentlich an der Aura des weißschillernden Vogels. Seine Faszination war so mächtig, dass ihn die Gemeinde Graupa sogar zu ihrem Wappenvogel wählte.

Am Donnerstag, den 22. April 2021 wird die neue Sonderausstellung im Jagdschloss mit einer Online-Vernissage eröffnet. Um 19 Uhr kann man auf der Internetseite dem Grußwort von Christian Schmidt-Doll, Geschäftsführer der Kultur- und Tourismusgesellschaft, lauschen.

Anschließend führt der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Wolfgang Mende virtuell durch die besondere Ausstellung. Wann ein Besuch der Ausstellung für Besucher möglich ist, hängt von den behördlichen Vorgaben ab. In Planung ist jedoch, dass mit der Öffnung des Museums im hauseigenen Testzentrum direkt vor Ort ein Corona-Test durchgeführt werden kann. Dieser ist für den Besuch der Ausstellung notwendig.

Der Schwan spielt bei Richard Wagner nicht nur im „Lohengrin“ eine wichtige Rolle, sondern an überraschend vielen Stellen seines Gesamtwerks. Wenig bekannt ist, dass Wagner kurz nach dem „Lohengrin“ eine zweite Schwanenoper konzipierte: „Wieland der Schmied“. Hier geht es um den kunstfertigen Schmied Wieland, der sich in eine Schwanenjungfrau verliebt.

Am Schluss fertigt er sich künstliche Schwanenflügel an und befreit sich mit ihrer Hilfe aus der Knechtschaft eines despotischen Königs. Der Schwan wird hier zum Symbol der Freiheit, vielleicht sogar der Revolution.

Eine wieder ganz andere Rolle spielt der Schwan in Wagners letztem Musikdrama, dem Bühnenweihfestspiel „Parsifal“. Der ritterliche Held erschießt hier in naiver Arglosigkeit einen Schwan und löst damit einen heftigen Skandal aus. Wagner hat mit dieser Episode seine vom Buddhismus inspirierten Vorstellungen von Tierwohl und Tierschutz auf die Bühne gebracht.

Von Wagners Schwanenfaszination wurde auch sein Umfeld angesteckt. Legendär ist der Schwanenkult des Bayernkönigs Ludwig II, der durch dessen „Lohengrin“-Fieber ausgelöst wurde. Weniger bekannt ist, dass auch Wagners Sohn Siegfried drei Opern mit Schwanenmotiven geschrieben hat. Am bemerkenswertesten davon ist die Oper „Schwarzschwanenreich“.

Hier wird von einem unterirdischen Reich schwarzer Schwäne erzählt, die Jungfrauen zu verbotener Lust verführen. Vieles spricht dafür, dass Siegfried Wagner in dem selbst kreierten Mythos der schwarzen Schwäne eine Chiffre für sexuelles Anderssein und das damit verbundene Tabu geschaffen hat.

Die Sonderausstellung zeigt nicht nur die vielen Spuren des Schwanenmotivs bei Richard Wagner und seinem Umfeld. Sie leuchtet auch die kulturgeschichtlichen Tiefen der Schwanenmythen aus. Dabei geht sie auf deren Ursprung zurück, die Naturbeobachtung. Denn die meisten Bilder und Legenden vom Schwan lassen sich auf Merkmale von dessen Aussehen und Verhalten zurückführen.

Die verschiedenen Schwanenmythen, vor allem aus der antiken und germanischen Mythologie, werden anhand zahlreicher Bilder und Objekte präsentiert. Immer wieder kann der Besucher dabei versteckte Spuren zum Leben und Werk Richard Wagners entdecken. So erfährt man, warum auch die Walküren, die Rheintöchter und sogar die Nornen einiges mit Schwänen zu tun haben und warum die Flügel der typischen Bayreuther Germanenhelme oft an Schwanenflügel erinnern.

Zu sehen sind auch kostbare originale Kunstwerke wie ein erotischer Schwanenteller aus der italienischen Renaissance, eine Lohengrin-Skulptur von Ernst Moritz Hähnel oder eine symbolistische Schwanengraphik von Max Klinger.

Und natürlich gibt es auch einiges zu hören, denn es existiert eine ganze Reihe faszinierender Schwanenkompositionen, nicht nur von Richard Wagner. Von letzterem ist aber eine Rarität zu erleben, nämlich der aus der endgültigen Fassung des „Lohengrin“ gestrichene Gesang des Schwans, der bisher nie eingespielt wurde.

Nach Öffnung des Museums soll die Sonderausstellung „Mythos Schwan“ bis 17. Oktober 2021 zu sehen sein.

Aktuelle Informationen zur Öffnung der Richard-Wagner-Stätten gibt es unter: www.wagnerstaetten.de.

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